Eine Buchrezension. Wie passt das in die Themen meines Blogs? Grund eins: Der Autor Jeffery Deaver behandelt ein Thema, das allgegenwärtig ist und jeden einzelnen von uns beschäftigen sollte – Datensammler. Grund zwei: Der Thriller “Der Täuscher” ist wirklich gut geschrieben und zeigt uns die Abgründe und Hoffnungen menschlichen Handelns im 21 Jahrhundert auf. Absolute Leseempfehlung!

Jeffery Deaver Der Täuscher
Die Geschichte handelt vom Kriminologen Lincoln Ryhme, der an seinen Rollstuhl gefesselt ist, und von seinem Haus (das mehr einem kriminologischen Labor ähnelt) aus seltsame Fälle zu lösen versucht. Als sein Cousin Arthur wegen Mordes verhaftet wird scheint wirklich alles gegen sein Familienmitglied zu sprechen. Doch genau das ist es, was ihn und sein Team stutzig macht. Alle Beweise des Tatorts konnten im Haus von Arthur ebenfalls sichergestellt werden. Ein Zufall? Für Lincoln Ryhme kann etwas nicht stimmen und so beleuchtet er diesen Fall genauer. Schließlich wird klar: Sein Cousin (und andere vermeintlich Mörder) sitzen unschuldig im Gefängnis. Irgendwer hat so ziemlich alle Informationen über jeden beliebigen Menschen zur Verfügung und spielt bzw. verändert die Daten wie er will.
Realität oder Fiktion?
An dem Buch “Der Täuscher” von Jeffery Deaver fällt vorallem auf, dass diese hier (vermutlich) fiktionalen Beschreibungen von Datensammlungen sehr real scheinen. Ganze Branchen haben sich heute schon auf die Beschaffung, Verwahrung und Weitergabe von Konsumentendaten spezialisiert. Auch Verlage tummeln sich teilweise schon auf diesem Wirtschaftszweig (wie die FAZ berichtet). Wir nutzen Handys von morgens bis abends und sind uns selten bewusst, was die Mobilfunkprovider alles von uns wissen (hier eine schöne Visualisierung wie jede Bewegung von uns aufgezeichnet wird). Selbstverständlich weiß Facebook so ziemlich alles was wir in der Freizeit machen, mit wem wir befreundet sind, wo wir uns gerade befinden. Vielleicht auch deswegen hat Ibrahim Evsan (u.a. Gründer von der Videoplattform sevenload) beschlossen, keine Dienste wie Foursquare zu nutzen. “Ich habe soeben mein Foursquare Account mit knapp 1000 Freunden gelöscht. Das ging mir doch zu weit.”
Datensammler sind real
Unsere TV- und Festnetzanbieter wissen genau was wir wann gucken und mit wem wir wann und wie lange telefonieren. Ist es da auszuschließen, dass die Gespräche mitgeschnitten werden und ggf. auf “Badwords” analysiert werden? Ok, vielleicht ist das ein bischen zu sehr Popcorn-Kino. Ob gewollt oder nicht, aber nachdem ich das Buch von Jeffery Deaver gelesen habe denke ich ein wenig bewusster über die Daten nach, die ich in die Welt streue.
Natürlich gibt es auch Vorteile, die wir durch die Datensammlung genießen. Wir bekommen Freundschaftsvorschläge, die wir seit Jahren nicht mehr gesehen haben, wir wissen wo sich unsere Bekannten gerade aufhalten, vielleicht haben die Zeit sich spontan zu treffen. Wir befriedigen unser Bedürfnis nach Informationen jeden Tag aufs Neue. Aber ich frage euch ganz ehrlich: Seid ihr bereit alle Informationen über euch preiszugeben oder behaltet ihr auch Informationen zurück?

Posted on März 16th, 2011 at 8:43 pm by Alex
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